Gunnar Schuberth fing mit Gedichten an und landete beim Drehbuch

Mein erstes Gedicht schrieb ich mit elf. Ein Beitrag zum fünfzigjährigen Jubiläum des Fußballklubs, bei dem ich mit Begeisterung kickte. Das Gedicht erschien in der Festschrift des Vereins und ich trug es in einem Bierzelt bei der Jubiläumsfeier vor. Ich erinnere mich noch gut, wie aufgeregt ich vor dem Auftritt war, aber auch an den wohlwollenden Beifall danach.

Ich bin lange bei der Lyrik geblieben. Während meiner Zivildienstzeit befreundete ich mich mit einem Gitarristen und wir entwickelten gemeinsam ein Bühnenprogramm: Lyrik und Gitarre.

Jahrelang traten wir in Kulturzentren und auf Kleinkunstbühnen auf. Doch irgendwann reichte mir die Form des Gedichts nicht mehr und bei unseren Auftritten hatte ich das Gefühl, ich würde mich nur wiederholen.

Ich begann einen Krimi. Die ersten zwanzig Seiten schrieben sich wie von selbst. Dann geriet ich ins Stocken. Ein geheimnisvoller Bösewicht hatte bis dahin schon fünf unschuldige Opfer ermeuchelt und mein Kommissar hatte nicht die kleinste Spur. Genau wie ich. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

So verschwand mein Manuskript für die nächste Zeit in der Schublade und ich begann, mich intensiv mit Dramaturgie und amerikanischer Drehbuchtheorie zu beschäftigen.

Als dann das erste Nürnberger Autorenstipendium ausgeschrieben wurde, versuchte ich es erneut - diesmal mit einem Theaterstück - und war einer der Gewinner.

In den nächsten Jahren schrieb ich in allen möglichen Genres und Formen. Ich verfaßte Satiren, ich schrieb Werbetexte, erotische Sonette, Kurzkrimis, Erzählungen, ein Drehbuch und endlich auch einen Krimi, der 1995 veröffentlicht wurde.

Früher hatte ich den Traum, einmal vom Schreiben leben zu können. Mit der Zeit hat sich das gewandelt. Nicht nur, weil mir mein Brotberuf - Dozent für Deutsch als Fremdsprache - so viel Spaß macht. Auch weil ich fürchte, ich würde den Kontakt zum wirklichen Leben zu sehr verlieren, würde nur noch am Schreibtisch sitzen mit fiktiven Geschichten im Kopf.

Ich bin in Hof aufgewachsen und wohne seit über zehn Jahren in Nürnberg. Franken ist meine Heimat. Doch auf die Idee, etwas "Fränkisches" zu schreiben, ein Theaterstück in Mundart oder Dialektgedichte, bin ich nie gekommen. Wahrscheinlich liegt das an der Art von Geschichten, die ich bevorzuge. Es ist ein faszinierender Plot, der mich interessiert oder spannende, gebrochene Charaktere. Wo dann eine Geschichte spielt, ist für mich eher unwichtig.

Heute versuche ich mich ausschließlich als Drehbuchautor: ich schreibe Exposés, Ideenskizzen und Drehbücher und biete sie Fernseh - und Kinoproduzenten an. Aber vielleicht habe ich bald auch davon wieder genug. Und werde wieder nur Lyriker. Es ist alles möglich.

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